{"id":276,"date":"2022-03-01T12:30:09","date_gmt":"2022-03-01T12:30:09","guid":{"rendered":"https:\/\/dvpb-bayern.webdesign-schwaben.de\/?page_id=276"},"modified":"2026-03-10T16:56:20","modified_gmt":"2026-03-10T16:56:20","slug":"projekte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/entwicklung26.chriskom.de\/index.php\/projekte\/","title":{"rendered":"Projekte"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; custom_padding=&#8220;32px|||||&#8220; animation_style=&#8220;fade&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; custom_padding=&#8220;||9px|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.5&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font_size=&#8220;32px&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Projekte<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.16&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_filterable_portfolio fullwidth=&#8220;off&#8220; include_categories=&#8220;132&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.5&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_filterable_portfolio][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Projekte<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"<p><strong><em>Egon Krenz: Gestaltung und Ver\u00e4nderung. Erinnerungen. Berlin (edition ost) 2023. ISBN 978-3-360-02811-2.\u00a0 446\u00a0 S., \u20ac 26.-<\/em><\/strong><\/p><p><em>\u00a0<\/em>Egon Krenz, der letzte, nur noch kurzzeitige, SED-Generalsekret\u00e4r hat den Band II seiner Memoiren ver\u00f6ffentlicht. Er behandelt die Jahre von 1976 bis 1988, also den Zeitraum vom Aufstieg des FDJ-Chefs, im Volk gern den \u201eBerufsjugendlichen\u201c zugeordnet, unter die Kandidaten des SED-Politb\u00fcros bis zu jenem Jahr, in dem Honecker nach seinem erfolgreichen Staatsbesuch in der Alt-Bundesrepublik die weithin im Lande erwartete \u00dcbergabe der Macht an seinen pr\u00e4sumptiven Nachfolger Krenz ausfallen l\u00e4sst.<\/p><p>Bis zu diesen Memoiren war mir Krenz vor allem in Erinnerung geblieben als Politiker mit vor Fernseh-Kameras reichlich dargebotenem L\u00e4cheln, als Hauptverantwortlicher f\u00fcr die gef\u00e4lschten Kommunalwahlen im Mai 1989, als Verteidiger des Massakers auf dem \u201ePlatz des Himmlischen Friedens\u201c vom Juni 1989 in Peking, als auff\u00e4llig konzeptionsloser Nachfolger von Honecker an der Spitze von SED und ihrem Staat DDR. Zudem meinte ich. dass Krenz der Spitzenfunktion\u00e4r der SED war, der am k\u00fcrzesten f\u00fcr die Mauer Verantwortung trug, aber am l\u00e4ngsten f\u00fcr die Sch\u00fcsse an diesem Bauwerk \u201esitzen\u201c musste.<\/p><p>Das Buch ist zum Spiegel-Bestseller geworden. Und dies nach meiner Meinung zu Recht: Krenz liefert Informationen, die sich in keinem Archiv finden, und er bietet Wissen um Ereignisse, bei denen er der letzte lebende Dabeigewesene ist.<\/p><p>Wie alle vergleichbaren Texte ehemaliger DDR-Gr\u00f6\u00dfen ist auch dieser Band zuerst der Versuch einer Rechtfertigung f\u00fcr fr\u00fcheres Tun oder Nicht-Tun. Und da besitzt Krenz gegen\u00fcber \u00e4hnlichen Autobiografen einen ungemeinen Vorteil: Ehemalige Genossen der SED-F\u00fchrungsebene k\u00f6nnen sich gegen sein Urteil bzw. seine mitunter Verurteilung nichr mehr wehren\u00a0 Meines Wissens sind inzwischen alle anderen Langlebigen aus der Honeckerschen obersten Parteif\u00fchrung der SED weggestorben. Allerdings existieren noch Angeh\u00f6rige der ehedem zweiten Reihe. Und so hat Krenz' Nachfolger als FDJ-Oberer (seinerzeit in Funktion\u00e4rskreisen besp\u00f6ttelt: \u201eIhr Fans\/von Krenz\/seid nicht traurig:\/ Jetzt habt ihr Aurich\u201c) in einer \u201end\u201c-Nummer in diesem Fr\u00fchjahr moniert, dass Krenz zwar ausf\u00fchrlich \u00fcber sein Verh\u00e4ltnis zu Honecker im genannten Zeitraum berichte, an anderen Orten aber auff\u00e4llige Leerstellen verfasst habe.<\/p><p>Vor allem dreierlei Beziehungen werden von Krenz in seinem Buch abgehandelt:<\/p><ul><li>die eigenen zu seinem F\u00f6rderer und Chef Honecker<\/li><li>die zwischen der SED-F\u00fchrung, also vorrangig Honecker, und den sowjetischen F\u00fchrern im genannten Zeitraum<\/li><li>die zwischen der DDR, also wiederum vor allem Honecker, und bundesdeutschen Politikspitzen, ebenfalls im aufgef\u00fchrten Zeitraum.<\/li><\/ul><p>Dazu kommen Reflexionen\u00a0 \u00fcber die Ursachen des Endes der DDR.<\/p><p>W\u00e4hrend Stasi-Chef Mielke das neue Mitglied der Parteif\u00fchrung anfangs nicht allzu ernst nimmt, ihm nur einen einzelnen pers\u00f6nlichen Bewacher zuteilt und ihn auch in seiner Plattenbau-Wohnung im K\u00f6penicker Allende-Viertel wohnen l\u00e4sst, also mitten unter ziemlich normalem Volk, holt Honecker selbst seinen jungen Mann 1980 in die Politb\u00fcro-Heimstatt Wandlitz. Als Krenz dort 1983 Honecker darum bittet, sein Jugendfunktion\u00e4rsdasein beenden zu d\u00fcrfen, macht der Krenz bald darauf zum Vollmitglied des Politb\u00fcros und Sekret\u00e4r des Zentralkomitees, nicht wenig sp\u00e4ter auch\u00a0 zum Stellvertretenden Staatsratsvorsitzenden. Krenz wird so in westdeutschen Medien und bei interessierten DDR-B\u00fcrgern nach dem 1978 in Libyen in einem Hubschrauber vom Himmel gefallenen Lamberz\u00a0 der zweite potentielle Kandidat f\u00fcr eine eventuelle Honecker-Nachfolge.<\/p><p>In der neuen Position bekommt Krenz auch kompliziertere Sonderaufgaben \u00fcbertragen und daf\u00fcr Informationen, die Honecker ansonsten gern an der Politb\u00fcro-Mehrheit vorbeilenkt. Vor allem im Umgang mit sowjetischen Spitzenfunktion\u00e4ren besitzt Krenz gegen\u00fcber dem Gros des Politb\u00fcros\u00a0 einen Vorteil: Er versteht und spricht Russisch. Im Laufe der Jahre verschlechtert sich das Verh\u00e4ltnis zwischen Honecker und Krenz. Krenz h\u00e4lt ein gutes Verh\u00e4ltnis zur Sowjetunion f\u00fcr wesentlich f\u00fcr die Existenz der DDR. Am\u00fcsant f\u00fcr Leser wie mich ist, wie schnell sich Funktion\u00e4re der zweiten Reihe Krenz n\u00e4hern.. Sie wollen\u00a0 offenbar bei einem potentiellen Macht\u00fcbergang an Krenz auch zu dessen Mannschaft geh\u00f6ren. Als Schalck, einer der neuen Freunde, als erster Krenz \u00fcber die Krebs-Erkrankung von Honecker informiert, tut er dies nicht m\u00fcndlich, sondern per Zettel. Schalck ist sich also sicher, dass auch Krenz' Arbeitszimmer im ZK-Geb\u00e4ude abgeh\u00f6rt wird.<\/p><p>Als ZK-Sekret\u00e4r war Krenz auch verantwortlich f\u00fcr den Bereich\u00a0 f\u00fcr Sicherheitsfragen im ZK-Apparat. Nach Krenz waren ihm damit\u00a0 allerdings \u201eoperative Aufgaben der Sicherheit der DDR nicht \u00fcbertragen\u201c worden (S. 165). Etwas im Widerspruch zu Krenz scheint da eine \u00c4u\u00dferung von Generaloberst Gro\u00dfmann zu stehen, dem letzten Chef der DDR-Aufkl\u00e4rung. Gro\u00dfmann: \u201eGeneraloberst Mittig, \u2026, erw\u00e4hnte mir gegen\u00fcber, dass Egon Krenz fast t\u00e4glich bei ihm anrufe und etwas wissen wolle.\u201c (Werner Gro\u00dfmann mit Peter B\u00f6hm: Der \u00dcberzeugungst\u00e4ter. edition ost, 2017, S. 186)<\/p><p>In der neuen Funktion st\u00f6\u00dft Krenz auf ihm \u2013 auf jeden Fall in ihrem Ausma\u00df - vordem nicht bekannte unterschiedliche Interessenlagen in der sowjetischen und der DDR-F\u00fchrung. So hatte die sowjetische F\u00fchrung einerseits den deutschen Kommunisten und deren innenpolitischen Verb\u00fcndeten 1949 den neu gegr\u00fcndeten deutschen Teilstaat DDR \u00fcbergeben und ihn 1953 und 1961 auch in seiner Existenz bewahrt, andererseits regierte sie der DDR-F\u00fchrung immer wieder \u2013 und zum Teil ziemlich r\u00fcde \u2013 in deren Politik hinein.<\/p><p>Zugespitzt kann man sagen, dass alle sowjetischen F\u00fchrungen nach 1945 in der DDR eine Kriegsbeute des II. Weltkrieges sahen und somit eine Handelsware f\u00fcr \u00dcbereink\u00fcnfte mit dem anderen gro\u00dfen Gewinner des II. Weltkriegs, den USA. Da die DDR- F\u00fchrer dem ihren Lande \u00fcbergest\u00fclpten Stalinschen Gesellschaftsmodell aber mehr Effektivit\u00e4t abgerungen hatten als die anderen unter sowjetischer Kuratel stehenden osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder und die Sowjetunion selbst, wurde die DDR von den meisten sowjetischen F\u00fchrern nach Stalins Tod jedoch auch gern als besonders enger Verb\u00fcndeter gef\u00fchrt.<\/p><p>Diese widerspruchsgezeichnete Situation ihres Landes macht es Ex-DDR-B\u00fcrgern wie mir heute\u00a0 verst\u00e4ndlich, warum Ulbricht, der damalige starke Mann in der SED-F\u00fchrung, 1952 auf der 2. Parteikonferenz der SED verk\u00fcnden durfte, von Stalin genehmigt, in der DDR mit dem Aufbau von \u201eSozialismus\u201c beginnen zu wollen. Obwohl 1952, ein Jahr vor der Rebellion vom 17. Juni 1953, f\u00fcr solch ein anspruchsvolles Vorhaben die innenpolitische Lage in der DDR in keinerlei Weise zu sprechen schien. Wenn aber nach sowjetischem Vorbild in der DDR \u201eSozialismus\u201c errichtet wurde, musste es sich f\u00fcr die Eigner in Moskau schwieriger gestalten, in der DDR vorrangig politische Handelsware zu erblicken.<\/p><p>Hatte sich der alte Ulbricht nach\u00a0 der gemauerten Grenzziehung mitten durch die deutsche Hauptstadt aus den ihn einengenden sowjetischen Bruderarmen ein wenig herauszuarbeiten versucht, die Kollektivierung der Landwirtschaft 1960 war ihm von Chruschtschow noch befohlen, das \u201eNeue \u00d6konomische System\u201c 1963 nur noch genehmigt worden, hatte sich der sp\u00e4te Ulbricht von seinen Gesellschaftswissenschaftlern dazu eine relativ eigenst\u00e4ndige Gesellschaftsformation \u201eEntwickelter Sozialismus\u201c erfinden lassen, und war er gegen\u00fcber Breshnew zuletzt sogar ausgesprochen renitent geworden, als er dem erkl\u00e4rte, die DDR sei keine zus\u00e4tzliche Sowjetrepublik, sondern ein eigenst\u00e4ndiger sozialistischer Staat \u2013 so war Honecker, als er endlich von Breshnew auf Ulbrichts Thron geschoben worden war, sofort auf die ihm aus Moskau gewiesenen Pfade zur\u00fcckgekehrt.. Bis ihm aus der Sowjetunion \u201eempfohlen\u201c wurde, diese Pfade, vor allem zu mehr deutsch\/deutscher Entspannung, wieder zu verlassen. Da hatte Honecker an ihnen aber schon Gefallen gefunden.<\/p><p>Wie sich die Beziehungen zwischen Ulbricht und Breshnew entwickelt hatten, zeigt auch eine \u00c4u\u00dferung von Ulbrichts langj\u00e4hrigem Russisch-Dolmetscher Eberlein 1994 gegen\u00fcber dem\u00a0 Dichter Hacks, \u201eBreshnew habe gelogen, wenn er den Mund aufmachte.\u201c (Peter Hacks\/Andre M\u00fcller sen.: Der Briefwechsel 1957 \u2013 2003. Eulenspiegel Verlag 2023, S. 608)<\/p><p>Wie sehr Honecker in den fr\u00fchen Jahren seiner Herrschaft die \u201eunverbr\u00fcchliche Freundschaft\u201c zwischen der DDR und der Sowjetunion zelebrieren lie\u00df, konnte ich als Angestellter des Kulturbundes der DDR auf einer von dieser Massenorganisation in der Staatsoper Unter den Linden veranstalteten \u201eManifestation der Intelligennz\u201c erleben. Die Manifestation wurde abgenommen von den in der ersten Reihe der K\u00f6nigsloge sitzenden SED-Politb\u00fcro-Mitgliedern Stoph und Sindermann resp. Vorsitzender des Ministerrates und Volkskammerpr\u00e4sident \u2013 und dem zwischen beiden thronenden sowjetischen \u201eRegierenden Botschafter\u201c Abrassimow.<\/p><p>Die unter Honecker neu aufbrechenden Konflikte zwischen der DDR und der Sowjetunion betrafen nach Krenz (und tats\u00e4chlich) vor allem die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen und die Deutschland-Politik. Im Austausch zwischen beiden Volkswirtschaften versuchten beide Seiten sich auf Kosten des Partners Vorteile zu verschaffen. Und da beide Volkswirtschaften in den 70ern und 80ern im weltweiten \u00f6konomischen Wettbewerb schw\u00e4cher wurden, wurden die Auseinandersetzungen um kleine oder gr\u00f6\u00dfere Vorteile auf Kosten des Partners nicht geringer. Mit einer gr\u00fcndlichen Auflistung von Daten und einigen pr\u00e4zis rekapitulierten Erlebnissen mit sowjetischen F\u00fchrern versucht Krenz, die Probleme der Beziehungen zwischen der DDR und der Sowjetunion auf dem Felde der Wirtschaft deutlich zu machen.<\/p><p>Auf au\u00dfenpolitischem Gebiet war Honecker in der \u201ePolen-Krise\u201c von 1980 noch ein enger Verb\u00fcndeter von Breshnew gewesen. Krenz erz\u00e4hlt, wie er und andere SED-Funktion\u00e4re nach Polen geschickt werden, um dort in der kommunistischen Partei eine Fronde gegen den in Moskau und Ostberlin ungeliebten Parteichef Kania aufzubauen.<\/p><p>Ab 1983, als Krenz (Voll-)Mitglied im SED-Politb\u00fcro wird, verschlechtern sich die Beziehungen zwischen Ostberlin und Moskau rapide. Honecker will die erreichten Verbesserungen im Verh\u00e4ltnis zwischen den beiden deutschen Staaten nicht den neuen Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion bzw. zwischen der Sowjetunion und dem Westen opfern. Vor allem von seinem Traum, in Bonn als Staatsoberhaupt des dort solange nicht akzeptierten zweiten deutschen Staates mit allen W\u00fcrden und Ehren empfangen zu werden, will er nicht lassen. In dem Zuge, in dem sich die deutsch\/deutschen Beziehungen freundlicher gestalten, wird Moskau gegen\u00fcber Honecker misstrauischer.\u00a0 Mehrfach muss Honecker zu Canossa-G\u00e4ngen in die Sowjetunion aufbrechen. Vor solch einer Reise, 1984, f\u00fcrchtet Honecker sogar, von seinen sowjetischen Genossen, wie 1968 der tschechoslowakische Parteif\u00fchrer Dubcek, in der Sowjetunion erst einmal einbehalten zu werden.<\/p><p>Honecker, dessen Ehrgeiz und Eitelkeit immer gr\u00f6\u00dfer waren, als es ihm die Gr\u00f6\u00dfe seines Landes eigentlich erlaubte, wird einige Zeit von Voraussetzungen unterst\u00fctzt, die ihm sein selbstbewusstes politisches Spiel zu gestatten scheinen.<\/p><p>Da besitzt die sowjetische F\u00fchrung in Honeckers SED-Politb\u00fcro zwar gr\u00fcndliche Informanten, aber sie findet niemanden, der eine Palastrevolution gegen Honecker anzuzetteln in der Lage w\u00e4re.\u00a0 Dazu hat Honecker nach der \u00dcbernahme der Kanzlerschaft in Bonn durch Helmut Kohl zus\u00e4tzlich zu dem gro\u00dfen Politikdreieck Ostberlin-Moskau-Bonn noch ein kleines Politikdreieck Ostberlin-Bonn-M\u00fcnchen gefunden, das ihm einige weitere deutsch\/deutsche politische Schachz\u00fcge erlaubt. Bei all diesem selbst\u00e4ndigen Agieren wei\u00df Honecker nat\u00fcrlich immer um den sowjetischen Atomschirm \u00fcber der DDR, so dass kein gewichtiger Bonner Politiker auf ein baldiges Ende des zweiten deutschen Staates hoffen kann.<\/p><p>Wie nahe sich im Zuge der deutsch\/deutschen Entspannung die beiden daf\u00fcr wichtigsten deutschen Politiker gekommen waren, bezeugt Krenz mit seiner Erz\u00e4hlung von einem Telefonanruf Kohls bei Honecker, bei dem er zuh\u00f6ren darf.\u00a0 Da das Gespr\u00e4ch \u00fcber die normale Post-Telefonverbindung von Bonn nach Ostberlin verlaufen war, macht es verst\u00e4ndlich, warum Kohl nach 1990 seine Stasi-Akte nicht freigeben wollte. Er hatte sich im telefonischen Umgang mit dem nach 1990 in Deutschland verfemten Ex-DDR-Staatsmann sicher eines h\u00f6flichen Umgangstons beflei\u00dfigt.<\/p><p>(Auf S. 169 \u00fcberrascht der ansonsten auf Gr\u00fcndlichkeit bedachte Autor mit einem Fehler: Mitte der f\u00fcnfziger Jahre hie\u00df der sowjetische Botschafter in der DDR Puschkin. Perwuchin wurde erst 1958 dessen Nachfolger.)<\/p><p>F\u00fcr die besten Jahre seines Staates, und das waren nicht nur seiner Meinung nach die siebziger, bescheinigt sich Krenz ein engeres Vertrauensverh\u00e4ltnis zu seinem Volk. Als Mensch aus diesem Volk, zu DDR-Zeiten durchg\u00e4ngig parteilos gewesen, stets aber auch mit guten Freunden in der SED, und mit kritischen Geistern in der Staatspartei auch regelm\u00e4\u00dfig M\u00f6glichkeiten eines verbesserten Sozialismus in der DDR\u00a0 diskutierend, wusste ich auch in den besseren Jahren der DDR um die Ursachen daf\u00fcr, dass sich in gr\u00f6\u00dferen Teilen des DDR-Volkes ein engeres Vertrauensverh\u00e4ltnis zur SED-F\u00fchrung nicht aufbauen wollte.<\/p><p>Da war das vom ersten bis zum letzten Tage der SED-Herrschaft Menschen mit Verstand beleidigende Informationswesen. Krenz selbst bringt einige prominente Beispiele. Da erlebte man die \u2013 von den Jahren des \u201eNeuen Kurses\u201c nach 1953 und des \u201eNeuen \u00d6konomischen Systems\u201c nach 1963 abgesehen \u2013 stets humpelnde Wirtschaftspolitik. Da war die permanente Ver\u00e4rgerung \u00fcber die immer weiter verfallende baulich und kulturell wertvolle Altbausubstanz. Dahin geh\u00f6rten die unter Honecker gegen\u00fcber Ulbricht noch forcierte Bevorzugung von\u00a0 Parteibuchinhabern bei der Besetzung besser bezahlter Stellen und die Erster-Mai-Prozessionen unter den \u00fcberdimensionierten Ikonen der Heiligen Marx, Engels, Lenin (und anfangs auch noch Stalin) sowie den gerade an der Macht befindlichen Parteif\u00fcrsten. Und last but not least geh\u00f6rt in diese Aufz\u00e4hlung nat\u00fcrlich auch der Umgang mit den sogenannten Dissidenten.<\/p><p>Als mir mein kommunistischer Stiefvater, der nie eine Parteischule besucht hatte, 1956, nach dem XX. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, beibringen wollte, dass der Stalinsche Sozialismus nicht zu Deutschland passe, wollte ich ihm noch nicht folgen. 1962 aber, nach zwei Jahren Transportarbeiter in einem Leipziger Gro\u00dfbetrieb, der Lekt\u00fcre der ersten verbotenen B\u00fccher und einem Familienbesuch im Fr\u00fchjahr 1961 im wirtschaftlich boomenden Westdeutschland, hatte ich mich f\u00fcr den Rest meines DDR-Daseins seiner Meinung angeschlossen\u00a0 Sp\u00e4ter, als Student,\u00a0 begriff ich zus\u00e4tzlich, warum ich zum \u201eAbweichler\u201c werden musste: Der Sch\u00f6pfer des \u201eRealsozialismus\u201c, Stalin, hatte seine\u00a0 politischen Erfahrungen nicht im mehr oder minder entwickelten kapitalistischen und b\u00fcrgerlich-demokratischen Westeuropa gemacht, sondern im gesellschaftlich zur\u00fcck gebliebenen ehemaligen Zarenreich: einem Reich mit einem Alleinherrscher an der Staatsspitze und einer dogmengepr\u00e4gten Staatskirche und einer m\u00e4chtigen Geheimpolizei als wichtigen Gehilfen an seiner Seite. Und auch sein politischer bzw. ideologischer Lehrmeister Lenin hatte Stalin nie eine \u201eGewaltenteilung\u201c\u00a0 als Grundlage f\u00fcr eine moderne politische Praxis vorgegeben.. Und bei Krenz\u00a0 habe ich durchg\u00e4ngig das Gef\u00fchl, wenn er \u00fcber Marxismus spricht, dass er weder die \u201eBemerkungen \u00fcber die neueste preu\u00dfische Zensurinstruktion\u201c noch die \u201eDebatten \u00fcber Pre\u00dffreiheit\u201c von Marx gelesen hat..<\/p><p>Krenz benennt Entscheidungen Honeckers, des SED-Politb\u00fcros, also auch von ihm selbst, die nach seiner heutigen Sicht Fehler waren\u00a0 Zu diesen Fehlern z\u00e4hlt er mittlerweile die Ausb\u00fcrgerung Biermanns: urspr\u00fcnglich ein Alleingang Honeckers. In der Wiedergabe der Politb\u00fcro-Sitzung, die der Ausb\u00fcrgerung folgte, macht Krenz unabsichtlich auf einen weiteren Lapsus Honeckers aufmerksam. Honecker erz\u00e4hlt seinem Politb\u00fcro, dass Biermann nach seinem Umzug von Hamburg nach Ostberlin 1953 bei keiner DDR-Beh\u00f6rde die Staatsb\u00fcrgerschaft der DDR beantragt habe. Niemandem in Honeckers Politb\u00fcro f\u00e4llt in diesem Moment ein, dass es 1953 in der DDR noch keine eigene Staatsb\u00fcrgerschaft gegeben hatte, sondern in der Rubrik \u201eStaatsb\u00fcrgerschaft\u201c in allen amtlichen Dokumenten der DDR 1953 noch \u201edeutsch\u201c gestanden hatte, Und die wichtigste politische Forderung aus Ostberlin in Richtung Bonn auch nicht die nach der Anerkennung einer eigenen DDR-Staatsb\u00fcrgerschaft\u00a0 war, sondern \u201eDeutsche an einen Tisch\u201c hie\u00df.<\/p><p>Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland war ein prominentes Debattenthema der westdeutsch dominierten deutschen Historikerschaft der sogenannte Diktaturenvergleich: Die SED-Diktatur in der DDR wurde \u2013 vor allem in den Formen der Machtaus\u00fcbung \u2013 mit der NS-Diktatur im Deutschen Reich verglichen. Krenz Nachweis der eingeschr\u00e4nkten Souver\u00e4nit\u00e4t der DDR hat m. E. o.g. Vergleich endg\u00fcltig obsolet gemacht. Ohne dass dies zu seinen Absichten geh\u00f6rt, regt Krenz f\u00fcr mich aber zwei andere Vergleiche an: zum einen den zwischen der DDR und ihrer Vormacht bzw. ihrem Vorbild Sowjetunion, und dann einen zwischen den unterschiedlichen nationalen Auspr\u00e4gungen des nach 1944 den sp\u00e4ter sogenannten \u201eVolksdemokratien\u201c Osteuropas \u00fcbergest\u00fclpten sowjetischen Gesellschaftsmodells.<\/p><p>Einen weiteren fragw\u00fcrdigen Blick aus Westdeutschland auf die DDR-Geschichte brachte der f\u00fcnfzigste Jahrestag des Mauerbaus in Berlin. Bis zur Entdeckung des betreffenden Beschlusses im Moskauer Politb\u00fcro-Archiv durch einen j\u00fcngeren westdeutschen Historiker glaubten nicht wenige westdeutsche Historiker, der Mauerbau sei vor allem eine Sache Ulbrichts gewesen. Dazu kamen die Journalisten, die nach dem Mauerbau scheinbar zu Recht meinten, die von Ulbricht wenige Wochen vor dem Mauerbau auf einer internationalen Pressekonferenz gemachte \u00c4u\u00dferung, niemand wolle eine Mauer errichten, eine L\u00fcge gewesen sei.. Diese Journalisten verga\u00dfen, dass\u00a0 einige Wochen fr\u00fcher Chruschtschow \u2013 mit der St\u00e4rke der Sputnik-Rakete im R\u00fccken - in einer diplomatischen\u00a0 Note dem Westen, d.h. den USA, vorgeschlagen hatte, die Westsektoren Berlins in eine neue politische Einheit \u201eFreie Stadt\u201c umzuwandeln, mit einer Abwicklung von derem zivilen Flugverkehr \u00fcber DDR-kontrollierte Flugh\u00e4fen.. H\u00e4tten die USA in dieser Weise in Berlin kapituliert, h\u00e4tte Chruschtschow nicht nach seinem Plan\u00a0 B zur Schlie\u00dfung des Loches in seiner Westgrenze greifen m\u00fcssen. Wie sehr der Mauerbau ur-sowjetische Interessen bedient hatte, zeigt Krenz in seinem Kapitel \u201eSpaziergang mit Gromyko\u201c.<\/p><p>F\u00fcr die Hegemonie der Sowjetunion \u00fcber Osteuropa sind noch zwei weitere Erz\u00e4hlungen f\u00fcr mich wichtig, die ich andernorts h\u00f6ren durfte. Noch zu DDR-Zeiten berichtete mir ein berenteter Ex-Botschafter der DDR, dass der damalige polnische Parteichef Gomulka auf einer Konferenz seiner Partei in der Polnischen Akademie der Wissenschaften gefragt worden w\u00e4re, warum er dies oder jenes nicht tue. Er w\u00fcrde mit dem entsprechenden Handeln im Volk sicher Pluspunkte sammeln. Die Antwort Gomulkas sei knapp und klar gewesen. Unser gro\u00dfes Nachbarland hei\u00dft nicht Australien. Und ein Au\u00dfenminister des Nach-1991-Run\u00e4nien erz\u00e4hlte vor Jahren in seiner Berliner Botschaft, dass nach 1990 in den rum\u00e4nischen Archiven der Macht eine Anfrage von Ceausescu bei Tito gefunden worden w\u00e4re, ob er im Falle einer \u201ebr\u00fcderlichen Hilfsaktion\u201c der Sowjetunion in Rum\u00e4nien \u00e4hnlich der von 1968 in der Tschechoslowakei in Jugoslawien Asyl erhalten w\u00fcrde..<\/p><p>Trotz eines widerspruchsgezeichneten Urteils bin ich sicher nicht der einzige Leser des vorliegenden Bandes, der mit Neugierde auf den Folgetext wartet. Die detaillierte Sicht auf Honeckers endg\u00fcltiges Scheitern, aber auch den eigenen zu sp\u00e4ten und zu unbeholfenen Versuch, die DDR und eine modifizierte Form der SED-Herrschaft \u00fcber sie zu retten, stellen allerdings noch h\u00f6here Anforderungen an den Autor und sein selbstkritisches Verm\u00f6gen als schon der vorliegende Band II.<\/p><p>Bei vorrangig zwei Themen ist mein Wissensbegehr besonders gro\u00df:<\/p><ul><li>Krenz' Darstellung des Untergangs seiner Partei<\/li><li>seinem Blick auf des soziale Erbe der \u201esozialistischen\u201c DDR.<\/li><\/ul><p>Bei ersterem Thema muss Krenz eine Erkl\u00e4rung versuchen, warum die bis dato Herrschaftspartei SED mit 2,2 Millionen Mitgliedern \u2013 und diese Mitglieder per Parteilehrjahr sowie die Funktion\u00e4re zus\u00e4tzlich \u00fcber eine Hierarchie von Parteischulen mit Ideologie voll gepumpt \u2013 innerhalb weniger Monate zu einem Restbestand zusammen schmolz, der dazu noch nicht einmal den Namen der Partei behalten wollte.<\/p><p>Im Fr\u00fchjahr 1990, als die Menschen in der DDR immer zahlreicher wurden, die per \u00dcbernahme von W\u00e4hrung und Pass ganz rasch Westdeutsche werden wollten, \u00fcberraschte mich, dass die DDR-Frauen nicht en masse auf die Stra\u00dfe gingen, um f\u00fcr die Beibehaltung ihres Rechts zu demonstrieren, \u00fcber Schwangerschaften oder deren Abbruch in v\u00f6lliger Freiheit allein zu entscheiden. Gingen sie f\u00fcr diese Freiheit nicht auf die Stra\u00dfe, weil sie ihnen von der Diktatur geschenkt worden war?<\/p><p>Jahre nach dem Beitritt erz\u00e4hlte mir der fr\u00fchere SPD-Vorsitzende Jochen Vogel, dass er sich im Einigungsprozess an Bundeskanzler Helmut Kohl gewandt habe,\u00a0 das vereinigte Deutschland d\u00fcrfe den ostdeutschen Frauen ihr Recht auf eine selbst bestimmte Abtreibung nicht wieder nehmen. Und so kam es dann, dass Abtreibung heute in Deutschland wie in der Alt-Bundesrepublik verboten ist und wie in der DDR praktiziert werden darf. Und unverbesserliche \u201eOssis\u201c darauf beharren k\u00f6nnen,\u00a0 dass in der DDR doch nicht alles schlecht gewesen sei.<\/p><p><em>Dieter <strong>Winkler<\/strong>, Berlin<\/em><\/p><p>\u00a0<\/p>","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"class_list":["post-276","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/entwicklung26.chriskom.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/276","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/entwicklung26.chriskom.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/entwicklung26.chriskom.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/entwicklung26.chriskom.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/entwicklung26.chriskom.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=276"}],"version-history":[{"count":48,"href":"https:\/\/entwicklung26.chriskom.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/276\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2157,"href":"https:\/\/entwicklung26.chriskom.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/276\/revisions\/2157"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/entwicklung26.chriskom.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/entwicklung26.chriskom.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=276"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}